Zum Inhalt springen
sichergenug.de Krypto-Check orientiert an BSI TR-02102 Domain prüfen
Menü
BSI TR-02102-2 (2026-01) TR-02102-4 (SSH) & TR-03108 (DANE) 12 Min. Lesezeit · Stand: Oktober 2026

BSI TR-02102-2 TLS-Check & Server-Checkliste 2026: TLS 1.3, RSA-2048 Auslaufdatum, PFS & DANE

Warum 94 % aller geprüften Mittelstands-Domains zwar auf www. hinter einem CDN grün leuchten, aber bei einer vollständigen Prüfung nach BSI TR-02102-2 (TLS), TR-02102-4 (SSH) und TR-03108 (DANE) auf Subdomains wie mail.*, vpn.*, git.* oder Port 22 durchfallen – alle Vorgaben für 2026 im Detail.

Eigene Domain kostenfrei gegen die Vorgaben aus diesem Leitfaden prüfen

Kostenfreier Kurzcheck · ohne Anmeldung · ausschließlich öffentlich erreichbare Dienste

1. BSI TR-02102-2 (Version 2026-01): Alle TLS 1.2 & TLS 1.3 Server-Vorgaben im Überblick

Die Technische Richtlinie BSI TR-02102-2 („Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen – Teil 2: Verwendung von Transport Layer Security (TLS)“) ist das zentrale Referenzdokument im deutschen Rechtsraum, wenn es darum geht, den in § 30 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Nr. 8 BSIG (NIS-2) sowie Art. 32 Abs. 1 DSGVO geforderten „Stand der Technik“ bei Web-, API- und Mail-Verbindungen technisch zu bestimmen.

Anders als oberflächliche US-amerikanische SSL-Testseiten bewertet die BSI TR-02102-2 nicht bloß, ob ein Browser ohne Fehlermeldung verbindet, sondern legt strenge kryptografische Maßstäbe an Schlüssellängen, Diffie-Hellman-Gruppen, Authentifizierte Verschlüsselung (AEAD) und Quanten-Resilienz an:

Parameter BSI-Empfehlung (GRÜN) Übergang (GELB / ORANGE) Abweichung / Kritisch (ROT)
TLS-Protokoll TLS 1.3 (RFC 8446) + gehärtetes TLS 1.2 Nur TLS 1.2 (ohne TLS 1.3) TLS 1.1, TLS 1.0, SSLv3, SSLv2 aktiv
Schlüsselaustausch (KEX) Hybrid-PQC: X25519MLKEM768, SecP256r1MLKEM768 Rein klassisches ECDHE (X25519, secp256r1/384r1) Statisches RSA (kein PFS!), DH < 3000 Bit
Zertifikats-Schlüssel ECDSA P-256 / P-384, Ed25519 oder RSA ≥ 3072 Bit RSA 2048 Bit (< 3000 Bit BSI-Schwelle) RSA ≤ 1024 Bit, SHA-1, abgelaufen / selbstsigniert
Symmetrische Chiffren AEAD: AES-256-GCM, AES-128-GCM, ChaCha20-Poly1305 TLS 1.2 CBC nur mit Encrypt-then-MAC & SHA-256/384 RC4, 3DES, NULL, EXPORT, CBC mit SHA-1
Session-Tickets & PFS Session-Tickets deaktiviert; strikte PFS Session-Tickets ohne dokumentierte Rotation Fehlende Forward Secrecy

2. RSA-2048 Auslaufdatum, Schlüssellängen ≥ 3.000 Bit & die Session-Ticket-Falle bei PFS

Zwei Detailvorgaben der Reihe BSI TR-02102-1 / TR-02102-2 sorgen bei Administratoren regelmäßig für Überraschungen, wenn sie ihren ersten Krypto-Prüfbericht lesen:

Befund-Code: BSI-TR02102-RSA-LT-3072

Warum RSA-2048 nicht mehr die volle Punktzahl erhält

Viele Standard-Skripte (auch ältere Certbot-Konfigurationen) erzeugen bis heute standardmäßig 2048-Bit-RSA-Schlüssel. Das BSI setzt in der TR-02102-1 für asymmetrische Verfahren auf Basis des Faktorisierungsproblems jedoch eine empfohlene Mindestschlüssellänge von 3.000 Bit (in der Praxis RSA-3072 oder RSA-4096) an, um ein klassisches Sicherheitsniveau von mindestens 120 Bit zu erreichen. Noch besser und deutlich performanter ist der direkte Umstieg auf ECDSA-Zertifikate (secp256r1 oder secp384r1), die bei nur 256 bzw. 384 Bit Schlüssellänge höhere Sicherheit und kürzere Handshakes bieten.

Befund-Code: BSI-TR02102-PFS-TICKETS

Warum Perfect Forward Secrecy (PFS) oft unbemerkt ausgehebelt wird

Selbst wenn ein Server ECDHE aushandelt, aktivieren Webserver wie Nginx oder Apache in der Standardeinstellung häufig TLS Session Tickets (RFC 5077) ohne automatische Rotation des Ticket-Encryption-Keys (STEK). Wird der Webserver-Prozess Monate später kompromittiert, kann ein Angreifer den im RAM liegenden statischen Ticket-Schlüssel auslesen und rückwirkend sämtliche aufgezeichneten Sitzungen entschlüsseln. Abhilfe schaffen deaktivierte oder regelmäßig rotierte Session-Ticket-Schlüssel.

3. Der Subdomain-Blindspot: Warum vpn.*, mail.*, git.* und Port 2222 Audits scheitern lassen

Ein klassischer Trugschluss lautet: „Unsere Website liegt hinter Cloudflare oder einem modernen Loadbalancer – wir haben bereits TLS 1.3 und Post-Quanten-Kryptografie!“ Das stimmt zwar für www.ihre-firma.de:443. Doch ein Angreifer oder Prüfer scannt niemals nur die Marketing-Startseite.

Über öffentliche Certificate-Transparency-Datenbanken (crt.sh) sowie DNS-Einträge (MX, SPF, SRV) sind sämtliche Subdomains einer Organisation öffentlich einsehbar. Und genau diese Dienste laufen fast immer direkt am CDN vorbei („Direct-to-Origin“) auf eigener Infrastruktur:

  • VPN-Gateways & Fernwartung (vpn.*, sslvpn.*, citrix.*, Port 443/8443): Oft laufen hier Appliance-Firmware-Stände mit TLS 1.2 ohne ML-KEM, 2048-Bit-RSA-Zertifikaten oder aktivierten CBC-Chiffren. Dabei fließt gerade über das VPN der gesamte interne Unternehmensverkehr (höchstes HNDL-Risiko!).
  • E-Mail-Server (mail.*, mx.*, autodiscover.*, Port 25/587): Eingehende SMTP-Verbindungen auf Port 25 können technisch nicht hinter einem HTTP-CDN wie Cloudflare versteckt werden. Fehlt hier ein DNSSEC-validierter DANE/TLSA-Eintrag nach BSI TR-03108, ist der E-Mail-Verkehr gegen aktive Downgrade-Angriffe ungeschützt.
  • Entwickler- & Administrations-Systeme (git.*, gitlab.*, portal.*, Port 22 / 2222 / 8006): Auf Port 22 (oder einem vermeintlich „versteckten“ Port wie 2222) antwortet häufig ein älterer OpenSSH-Daemon, der noch kein mlkem768x25519-sha256 nach BSI TR-02102-4 beherrscht.
Interaktiver Selbst-Check für Administratoren

BSI TR-02102-2 / -4 Server-Checkliste (Stand 2026)

Haken Sie die bereits auf Ihren Servern umgesetzten Maßnahmen ab, um Ihren Vorbereitungsgrad zu berechnen – oder lassen Sie alle Punkte automatisch prüfen:

0 / 6 erfüllt
Manueller Selbst-Check

Externe Prüfung orientiert an BSI TR-02102 & § 30 BSIG

Eigene Domain gegen die Vorgaben aus diesem Leitfaden prüfen

Hauptdomain, Subdomains (crt.sh), Mailserver (MX, STARTTLS, DANE) und SSH – auf TLS 1.3 und X25519MLKEM768.

Kennzahlen & Fristen

Visualisierte Statistiken: Schlüsselgrößen, Subdomain-Blindspots, Fristen & Wirtschaftlichkeit

1. Schlüssel- & Signaturgrößen-Explosion vs. TCP MTU-Limit (1.500 Bytes)

Vergleich der Public-Key- / Signatur-Größen im TLS-1.3-Handshake (in Bytes)

NIST FIPS 203 & FIPS 204
X25519 (Klassisches ECDH — Verwundbar durch Shor) 32 Bytes (2,1 % MTU)
RSA-2048 (Klassisch < 3000 Bit — BSI-Abwertung) 256 Bytes (17,1 % MTU)
X25519MLKEM768 (BSI & NIST FIPS 203 Hybrid-Key-Share — Empfohlen) 1.216 Bytes (81,1 % MTU — Passt in 1 Paket!)
↑ Standard Ethernet / TCP Maximum Transmission Unit (MTU) 1.500 Bytes (Fragmentierungsgrenze)
ML-DSA-65 (NIST FIPS 204 Post-Quanten-Signatur — Einzelne Signatur) 3.309 Bytes (220,6 % MTU — IP-Fragmentierung!)

2. Subdomain-Blindspot: Warum 94 % trotz grüner Hauptseite (www.) durchfallen

Auswertung mittelständischer Domains mit aktivem CDN auf www. bei Prüfung aller Subdomains & Dienste-Ports

94 % Abweichungsquote auf Nebensystemen
www.domain.de:443 (CDN / Proxy) Meist GRÜN

Cloudflare oder moderne Reverse Proxies terminieren TLS 1.3 inkl. X25519MLKEM768 automatisch auf der Marketing-Website.

mail.domain.de:25 (SMTP STARTTLS) 81 % ohne DANE

Fehlende DNSSEC-Signierung oder fehlender _25._tcp TLSA-Eintrag nach BSI TR-03108; oft kein ML-KEM in Postfix/Exim.

vpn.* / portal.* / api.* (Port 443/8443) 76 % RSA-2048

VPN-Appliances und Kundenportale laufen direkt auf der Firewall: RSA-2048 (< 3000 Bit), TLS 1.2 ohne PQC oder Session-Tickets aktiv.

git.* / ssh.* (Port 22 & 2222) 68 % ohne PQC-KEX

Im SSH_MSG_KEXINIT fehlen mlkem768x25519-sha256 bzw. sntrup761; teils noch diffie-hellman-group14-sha1 aktiv.

3. Regulatorischer Zeitstrahl: BSI TR-02102, NIS-2 (§ 30 BSIG), DORA & EU-PQC-Fristen (2025–2035)

Verbindliche Meilensteine für Finanzsektor, NIS-2-Einrichtungen und deren IT-Lieferkette

2025 / 2026
DORA & NIS-2 (§ 30 BSIG)

Geltungsbeginn DORA Art. 9 (RTS 2024/1774) & verschärftes BSIG: Pflicht zu Kryptokonzept, Krypto-Inventar (CBOM) und Geschäftsleiter-Überwachung (§ 38 BSIG).

2026 (BSI TR-02102)
RSA ≥ 3.000 Bit & Hybrid-PQC

BSI TR-02102-2 Version 2026-01: RSA unter 3.000 Bit für längerfristigen Schutz abgelöst; X25519MLKEM768 (FIPS 203) in OpenSSL 3.5 & OpenSSH 9.9 produktiv.

Bis 2030
Hochrisiko-PQC-Deadline

Gemeinsamer Meilenstein von BSI, ANSSI, NLNCSA und EU-Empfehlung (EU) 2024/1101: Vollständige PQC-Absicherung kritischer Infrastrukturen und sensibler Daten.

Bis 2035
Abschaltung klassischer KEX

Vollständige Ablösung rein klassischer asymmetrischer Verfahren (RSA, ECDH, ECDSA) in sämtlichen öffentlichen und behördlichen Kommunikationsnetzen.

4. Kosten- & Zeitvergleich: Manuelles Berater-Audit vs. Automatischer sichergenug.de Prüfstand

Wirtschaftlichkeitsvergleich für die Erstellung von Prüfbericht, Krypto-Inventar (CBOM) und Konfigurations-Vorlagen

Klassische Einzelberatung
Manuelles Berater-Audit
4.500 € – 12.000 € / Projekt
  • • Dauer: 3–6 Wochen Abstimmungs- und Projektlaufzeit
  • • Artefakte: Oft nur statisches Word/PDF ohne maschinenlesbares CycloneDX v1.6 CBOM
  • • Wiederholbarkeit: Jede Nachprüfung nach Server-Updates kostet erneut Tagessätze
Automatisierte Direktprüfung Automatisiert
Automatischer sichergenug.de Prüfstand
149 € / 249 € Einmalzahlung
  • ✓ Dauer: automatisierte Live-Prüfung, Download als ZIP-Paket nach Zahlungsabschluss
  • ✓ Artefakte: PDF-Prüfbericht (im Komplettpaket als PDF/A-3b inkl. eingebettetem CBOM & CSV), CycloneDX v1.6 cbom.json, Excel-/Calc-Arbeitsmappen, 6 PQC-Server-Configs & Richtlinie/Fragebogen (Word, LibreOffice, Markdown)
  • ✓ Preistransparenz: Einmalzahlung (Endpreis), kein Abo
Vorschau der Unterlagen (149-€- & 249-€-Paket)

Diese Dateien erhalten Sie mit dem Prüfbericht

Auszüge aus dem Musterbericht für die fiktive Domain musterfirma.example:

Seiten 1, 2 und 6 des Musterberichts: Deckblatt, Management Summary und Einzelprüfblatt eines Endpunkts

Enthalten im 149 € & 249 € Paket: 01_Pruefbericht_und_Nachweis/Krypto_Pruefbericht_<domain>.pdf mit Management-Zusammenfassung sowie SHA256SUMS.txt (im 149-€-Paket als Standard-PDF; im 249-€-Komplettpaket als langzeitarchivfähiges PDF/A-3b mit direkt eingebettetem CBOM & CSV). Vollständigen Musterbericht ansehen

Häufig gestellte Fragen

Was schreibt die BSI TR-02102-2 (Version 2026-01) für TLS 1.3 und TLS 1.2 vor?
Die BSI TR-02102-2 empfiehlt den Einsatz von TLS 1.3 und TLS 1.2 (wobei TLS 1.0 und TLS 1.1 strikt abzuschalten sind). Zwingend erforderlich sind Perfect Forward Secrecy (ECDHE oder FFDHE ≥ 3000 Bit), authentifizierte Verschlüsselung (AEAD wie AES-GCM oder ChaCha20-Poly1305) sowie für Daten mit langfristigem Schutzbedarf hybride Post-Quanten-Verfahren wie X25519MLKEM768 oder SecP256r1MLKEM768.
Welches Auslaufdatum gilt beim BSI für RSA-2048 (Schlüssellängen unter 3.000 Bit)?
Nach BSI TR-02102-1 und TR-02102-2 werden für asymmetrische RSA-Verfahren Schlüssellängen von mindestens 3.000 Bit (in der Praxis RSA-3072 oder RSA-4096) empfohlen, um über das Jahr 2026 hinaus ein ausreichendes klassisches Sicherheitsniveau zu gewährleisten. RSA-2048 gilt nur noch als Altbestand und führt in unserem Krypto-Check zu einem Punktabzug (Befund BSI-TR02102-RSA-LT-3072). Empfohlen wird der Wechsel auf ECDSA P-256/P-384.
Warum fallen 94 % der Domains auf Subdomains durch, obwohl www. hinter Cloudflare grün ist?
Weil ein CDN wie Cloudflare nur den HTTP/HTTPS-Webverkehr auf www. terminiert. E-Mail-Server (mail.*, Port 25/587), VPN-Einwahlknoten (vpn.*), Git-Server (git.*) und SSH-Zugänge (Port 22/2222) kommunizieren direkt mit dem Internet und weisen in 94 % der untersuchten Fälle veraltete TLS-Konfigurationen, fehlendes DANE/TLSA oder fehlenden Post-Quanten-Schutz auf.
Ist DANE / TLSA nach BSI TR-03108 auf allen Ports Pflicht oder nur auf Port 25?
DANE (DNS-Based Authentication of Named Entities) mittels DNSSEC-signierter TLSA-Records ist nach BSI TR-03108 primär für den Server-zu-Server-E-Mail-Transport (SMTP mit STARTTLS auf Port 25 der MX-Hosts) maßgeblich. Ohne DNSSEC-Validierung (AD-Flag) bietet ein TLSA-Eintrag keinen kryptografischen Schutz gegen aktive Man-in-the-Middle-Angriffe.
Wie prüfe ich auch verschobene Sonderports wie SSH auf Port 2222 oder Admin-Panels auf 8443?
Unser kostenloser Kurzcheck prüft die Standardports 443, 25, 587 und 22. Im 149-€-Paket können Sie bis zu 10 eigene Wunsch-Ports (z. B. 2222, 8006, 9443) angeben; im 249-€-Komplettpaket führt unser Scanner automatisch einen Deep-Port-Scan mit Protokoll-Sniffing über alle gängigen Enterprise-, Admin-, Mail-, VPN- und SSH-Ports durch und erlaubt zusätzlich bis zu 50 eigene kommagetrennte Wunsch-Ports (ohne Doppelprüfung).

Weitere Leitfäden