1. § 30 Abs. 2 Nr. 8 & § 38 BSIG: Warum ein geschriebenes Kryptokonzept Pflicht ist
Mit dem Inkrafttreten des NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetzes (NIS2UmsuCG) hat der Gesetzgeber die Anforderungen an die kryptografische Absicherung von Unternehmensnetzwerken auf eine völlig neue Stufe gehoben. Während Verschlüsselung früher oft als rein operative Aufgabe der Systemadministration betrachtet wurde, verlangt § 30 Abs. 2 Nr. 8 BSIG (in Umsetzung von Art. 21 Abs. 2 lit. h der Richtlinie (EU) 2022/2555) ausdrücklich „Konzepte und Verfahren für den Einsatz von Kryptografie und gegebenenfalls Verschlüsselung“ unter Wahrung des Stands der Technik (§ 30 Abs. 1 Satz 2 BSIG).
Der entscheidende juristische Punkt steckt im Wortpaar „Konzepte und Verfahren“: Es genügt im Prüfungs- oder Schadensfall nicht, dass auf dem Haupt-Webserver zufällig ein gültiges Let’s-Encrypt-Zertifikat installiert ist. Eine Einrichtung muss schriftlich definieren (Konzept) und technisch nachweisen (Verfahren), welche kryptografischen Mindeststandards für Web-, API-, E-Mail-, VPN- und SSH-Verbindungen gelten, wie kryptografische Schlüssel erzeugt, rotiert und widerrufen werden und wie verhindert wird, dass auf Nebensystemen veraltete Protokolle wie TLS 1.0/1.1 oder ungeschützte RSA-2048-Schlüssel ohne Post-Quanten-Schutz weiterlaufen.
Warum § 38 BSIG die Geschäftsleitung direkt in die Verantwortung nimmt
Nach § 38 Abs. 1 BSIG sind Geschäftsleiter (GmbH-Geschäftsführer, Vorstände, Leitungsorgane) gesetzlich verpflichtet, die Risikomanagementmaßnahmen nach § 30 BSIG zu billigen und deren Umsetzung fortlaufend zu überwachen. Eine bloße mündliche Delegation an den IT-Leiter oder das Systemhaus befreit nicht von der Haftung: Bei schuldhaften Pflichtverletzungen haften Geschäftsleiter der Einrichtung nach § 38 Abs. 2 BSIG persönlich mit ihrem Privatvermögen auf Schadensersatz. Zusätzlich sieht § 65 BSIG Bußgelder von bis zu 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes (bei besonders wichtigen Einrichtungen) bzw. 7 Mio. € oder 1,4 % (bei wichtigen Einrichtungen) vor.
2. Die 7 Pflichtkapitel: Was Prüfer in einer NIS-2 Kryptografie-Richtlinie konkret verlangen
Wenn Wirtschaftsprüfer, ISO-27001-Auditoren, Cyberversicherer oder Kunden im Rahmen einer Lieferkettenprüfung (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG) Ihr Kryptografie-Konzept anfordern, prüfen sie das Dokument anhand einer klaren Struktur. Eine prüfungstaugliche Richtlinie muss zwingend die folgenden sieben Bausteine mit konkreten technischen Grenzwerten regeln:
| Kapitel im Kryptokonzept | Gesetzliche / Normative Referenz | Geforderter Mindestinhalt für den Nachweis |
|---|---|---|
| 1. Geltungsbereich & Rollen | § 30 Abs. 2 Nr. 8 & § 38 BSIG | Verbindlichkeit für alle öffentlich erreichbaren und internen Dienste, Cloud-Instanzen und Subdomains; klare Benennung von Policy Owner (CISO/IT-Leitung) und Freigabe durch die Geschäftsleitung. |
| 2. Klassifizierung & Schutzbedarf | BSI IT-Grundschutz (CON.1) / DSGVO Art. 32 | Einstufung von Daten nach Vertraulichkeitsdauer (Mosca-Formel X + Y > Z): Daten mit langfristigem Schutzbedarf erfordern zwingend hybriden Post-Quanten-Schutz gegen Harvest Now, Decrypt Later. |
| 3. Erlaubte & verbotene Protokolle | BSI TR-02102-1, -2 (TLS), -4 (SSH) | Striktes Verbot von SSLv2/v3, TLS 1.0, TLS 1.1, RC4, 3DES, CBC-Chiffren ohne EtM sowie SHA-1. Pflicht zu TLS 1.3 (und gehärtetem TLS 1.2 mit ECDHE-AEAD) sowie OpenSSH ≥ 9.0/9.9. |
| 4. Schlüssellängen & Hybrid-PQC | BSI TR-02102-1 & NIST FIPS 203 | RSA-Schlüssel ≥ 3.000 Bit (3072/4096 Bit) oder ECDSA P-256/P-384; Einführung hybrider Schlüsselaustauschgruppen (X25519MLKEM768, SecP256r1MLKEM768, mlkem768x25519-sha256). |
| 5. E-Mail-Transportsicherheit | BSI TR-03108 | Verpflichtendes STARTTLS auf Port 25/587 mit DNSSEC-signierten TLSA-Einträgen (DANE), flankiert durch MTA-STS, SPF, DKIM und DMARC (p=quarantine / p=reject). |
| 6. Schlüssellebenszyklus (Key Lifecycle) | ISO/IEC 27001 A.8.24 / DORA Art. 9 | Kryptografisch sichere Zufallszahlengeneratoren (CSPRNG), geschützte Aufbewahrung privater Schlüssel, automatisierte Zertifikatsrotation (≤ 90 Tage via ACME), Sperr- und Notfall-Rollout-Prozess (Crypto-Agility). |
| 7. Krypto-Inventar (CBOM) & Audit-Zyklus | CycloneDX v1.6 / EU-Empf. 2024/1101 | Führung eines maschinenlesbaren Krypto-Registers (cbom.json + CSV) über alle Subdomains inkl. quartalsweiser Stichtagsprüfung und Vorlage an die Geschäftsleitung (§ 38 BSIG). |
3. Schlüssellebenszyklus: Was die Richtlinie regeln muss
Ein häufiger Mangel selbstgeschriebener Richtlinien besteht darin, dass zwar „starke Verschlüsselung“ gefordert wird, aber verbindliche Regeln für den Schlüssellebenszyklus fehlen. Prüfer achten darauf, dass jede Phase mit Zuständigkeit, Frist und Nachweis geregelt ist:
Wo und womit Schlüssel erzeugt werden (Zufallszahlen nach BSI TR-02102-1), wo private Schlüssel liegen dürfen und wie ihre Weitergabe ausgeschlossen wird – einschließlich der oft übersehenen Schlüssel für TLS-Session-Tickets.
Laufzeiten für Zertifikate, SSH- und DKIM-Schlüssel, ein Notfallprozess für kompromittierte Schlüssel oder neu bekannte Schwachstellen sowie die Kontrolle, dass der Austausch auf allen Systemen tatsächlich angekommen ist.
Die Richtlinien-Vorlage im Komplettpaket enthält diese Regelungen ausformuliert und mit konkreten Fristen.
4. Lieferkettensicherheit (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG): Warum auch Zulieferer nachweisen müssen
Nach § 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG müssen regulierte Einrichtungen die Sicherheit ihrer Lieferkette einschließlich der sicherheitsbezogenen Aspekte der Beziehungen zu unmittelbaren IT-Dienstleistern, Cloud-Providern, Softwareherstellern und Managed-Service-Providern gewährleisten. In der Praxis führt dies zu einer Kettenreaktion:
- Wenn Sie selbst unter NIS-2 fallen: Sie benötigen einen standardisierten Fragebogen, mit dem Sie von Ihren Hosting-, SaaS- und IT-Lieferanten den Nachweis einer BSI-TR-02102-konformen Transportverschlüsselung und eines aktuellen CBOM-Inventars einfordern. Ein solcher Fragebogen ist im 249-€-Komplettpaket enthalten.
- Wenn Sie IT-Dienstleister oder Zulieferer sind: Mit einem aktuellen Krypto-Prüfbericht, einer freigegebenen Kryptografie-Richtlinie und einem maschinenlesbaren CycloneDX v1.6
cbom.jsonbeantworten Sie Kundenanfragen zur Verschlüsselung in Minuten statt Tagen.
5. Aufbau der Richtlinien-Vorlage
Die Vorlage folgt der Struktur, die Prüfer erwarten, und wird mit den gemessenen Endpunkten und Befunden Ihrer Domain vorausgefüllt. Sie ist editierbar und vor der Freigabe an Ihre Organisation anzupassen.
- Zielsetzung und Geltungsbereich
- Rollen und Verantwortlichkeiten
- Transportverschlüsselung (TLS, SSH, E-Mail)
- Post-Quanten-Migration
- Schlüsselmanagement
- Lieferkette (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG)
- Stichtagsbefund Ihrer Domain
- Freigabe durch die Geschäftsleitung (§ 38 BSIG)
Unverbindliche Mustervorlage, keine Rechtsberatung. Zusätzlich enthalten: Lieferanten-Fragebogen zur Kryptografie (.docx, .odt sowie als ausfüllbare Tabelle .xlsx/.ods).
Externe Prüfung orientiert an BSI TR-02102 & § 30 BSIG
Eigene Domain gegen die Vorgaben aus diesem Leitfaden prüfen
Hauptdomain, Subdomains (crt.sh), Mailserver (MX, STARTTLS, DANE) und SSH – auf TLS 1.3 und X25519MLKEM768.
Visualisierte Statistiken: Schlüsselgrößen, Subdomain-Blindspots, Fristen & Wirtschaftlichkeit
1. Schlüssel- & Signaturgrößen-Explosion vs. TCP MTU-Limit (1.500 Bytes)
Vergleich der Public-Key- / Signatur-Größen im TLS-1.3-Handshake (in Bytes)
2. Subdomain-Blindspot: Warum 94 % trotz grüner Hauptseite (www.) durchfallen
Auswertung mittelständischer Domains mit aktivem CDN auf www. bei Prüfung aller Subdomains & Dienste-Ports
Cloudflare oder moderne Reverse Proxies terminieren TLS 1.3 inkl. X25519MLKEM768 automatisch auf der Marketing-Website.
Fehlende DNSSEC-Signierung oder fehlender _25._tcp TLSA-Eintrag nach BSI TR-03108; oft kein ML-KEM in Postfix/Exim.
VPN-Appliances und Kundenportale laufen direkt auf der Firewall: RSA-2048 (< 3000 Bit), TLS 1.2 ohne PQC oder Session-Tickets aktiv.
Im SSH_MSG_KEXINIT fehlen mlkem768x25519-sha256 bzw. sntrup761; teils noch diffie-hellman-group14-sha1 aktiv.
3. Regulatorischer Zeitstrahl: BSI TR-02102, NIS-2 (§ 30 BSIG), DORA & EU-PQC-Fristen (2025–2035)
Verbindliche Meilensteine für Finanzsektor, NIS-2-Einrichtungen und deren IT-Lieferkette
Geltungsbeginn DORA Art. 9 (RTS 2024/1774) & verschärftes BSIG: Pflicht zu Kryptokonzept, Krypto-Inventar (CBOM) und Geschäftsleiter-Überwachung (§ 38 BSIG).
BSI TR-02102-2 Version 2026-01: RSA unter 3.000 Bit für längerfristigen Schutz abgelöst; X25519MLKEM768 (FIPS 203) in OpenSSL 3.5 & OpenSSH 9.9 produktiv.
Gemeinsamer Meilenstein von BSI, ANSSI, NLNCSA und EU-Empfehlung (EU) 2024/1101: Vollständige PQC-Absicherung kritischer Infrastrukturen und sensibler Daten.
Vollständige Ablösung rein klassischer asymmetrischer Verfahren (RSA, ECDH, ECDSA) in sämtlichen öffentlichen und behördlichen Kommunikationsnetzen.
4. Kosten- & Zeitvergleich: Manuelles Berater-Audit vs. Automatischer sichergenug.de Prüfstand
Wirtschaftlichkeitsvergleich für die Erstellung von Prüfbericht, Krypto-Inventar (CBOM) und Konfigurations-Vorlagen
- • Dauer: 3–6 Wochen Abstimmungs- und Projektlaufzeit
- • Artefakte: Oft nur statisches Word/PDF ohne maschinenlesbares CycloneDX v1.6 CBOM
- • Wiederholbarkeit: Jede Nachprüfung nach Server-Updates kostet erneut Tagessätze
- ✓ Dauer: automatisierte Live-Prüfung, Download als ZIP-Paket nach Zahlungsabschluss
- ✓ Artefakte: PDF-Prüfbericht (im Komplettpaket als PDF/A-3b inkl. eingebettetem CBOM & CSV), CycloneDX v1.6
cbom.json, Excel-/Calc-Arbeitsmappen, 6 PQC-Server-Configs & Richtlinie/Fragebogen (Word, LibreOffice, Markdown) - ✓ Preistransparenz: Einmalzahlung (Endpreis), kein Abo
Diese Dateien erhalten Sie mit dem Prüfbericht
Auszüge aus dem Musterbericht für die fiktive Domain musterfirma.example:
Enthalten im 149 € & 249 € Paket: 01_Pruefbericht_und_Nachweis/Krypto_Pruefbericht_<domain>.pdf mit Management-Zusammenfassung sowie SHA256SUMS.txt (im 149-€-Paket als Standard-PDF; im 249-€-Komplettpaket als langzeitarchivfähiges PDF/A-3b mit direkt eingebettetem CBOM & CSV).
Vollständigen Musterbericht ansehen
| Host | Port | TLS | Schlüsselaustausch | Zertifikat | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| musterfirma.example | 443 | TLSv1.3 | X25519 | RSA 2048 | Dunkelorange |
| vpn.musterfirma.example | 443 | TLSv1.2 | RSA (ohne PFS) | RSA 2048 | Rot |
| mail.musterfirma.example | 25 | TLSv1.2 | X25519 | RSA 3072 | Dunkelorange |
| portal.musterfirma.example | 443 | TLSv1.3 | X25519MLKEM768 | ECDSA 256 | Grün |
Enthalten im 149 € & 249 € Paket: Semikolon-getrennte deutsche Excel-Datei Krypto_Inventar_<domain>.csv (UTF-8 BOM) + maschinenlesbares cbom_<domain>.json (OWASP CycloneDX v1.6).
Muster-CSV herunterladen
• Vollständig ausformuliertes Kryptokonzept (Dokumentationshilfe zu § 30 Abs. 2 Nr. 8 BSIG & Art. 9 DORA)
• Vorausgefüllt mit den am Stichtag gemessenen Subdomains, Ports, TLS/SSH-Versionen und Befunden Ihrer Domain
• Inklusive NIS2_Lieferanten_Fragebogen_Kryptografie.docx für Ihre Lieferkette (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG)
• Hinweis: Unverbindliche Mustervorlage, vor Freigabe an Ihre Organisation anpassen. Keine Rechtsberatung.
• Kommentierte Beispielkonfigurationen für nginx, Apache, Caddy, Postfix, HAProxy und OpenSSH
• Abgestimmt auf die Befunde Ihrer Domain: Protokolle, Schlüsselaustausch einschließlich ML-KEM, Forward Secrecy
• Umstellungs-Checkliste und Prüfskript für die lokale Kontrolle nach der Änderung
• Hinweis: Vor dem Einsatz in einer Testumgebung prüfen und an Ihre Umgebung anpassen.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein schriftliches Kryptografie-Konzept nach § 30 Abs. 2 Nr. 8 BSIG gesetzlich verpflichtend?
Was muss in einer NIS-2 Kryptografie-Richtlinie (Word-Vorlage) mindestens stehen?
Welche persönliche Haftung trifft Geschäftsführer bei fehlendem Kryptokonzept nach § 38 BSIG?
Warum sind wir als kleinerer IT-Dienstleister (unter 50 Mitarbeiter) trotzdem betroffen?
Kann die Word-Vorlage NIS2_Kryptografie_Richtlinie.docx direkt angepasst werden?
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